Steinschlag in der Frontscheibe

  • Ich möchte rein informationshalber über meine Erfahrung zum Thema "Defekte Frontscheibe durch Steinschlag" berichten.
    Es ist natürlich nicht FORD EcoSport-spezifisch, sondern betrifft alle Automobile.

    Vor einiger Zeit habe ich mein Fahrzeug zu einer Werkstatt gebracht, um den bereits länger überfälligen Service durchführen zu lassen.
    Einige Zeit später rief die Werkstatt an, und sagte, sie hätten bemerkt, dass bei dem Fahrzeug "der TÜV" überfällig sei, ob sie das auch mitmachen sollten?

    Das mit dem TÜV war mir "durchgegangen", da das Fahrzeug aber nun schon in der Werkstatt war, stimmte ich zu.
    Am Nachmittag gab's dann einen Anruf, der Service wäre fertig, der TÜV-Prüfer sei auch da gewesen, das Fahrzeug sei aber "durchgefallen" wg. eines Steinschlags im Sichtbereich der Frontscheibe.
    Dann die Frage, ob sie auch gleich eine neue Scheibe beschaffen und einbauen sollen, ein Angebot hätten sie schon erstellt?
    Ich sagte, "Warum nicht, ich bin ja versichert", dann wurde aber noch thematisiert, ob ich im Versicherungsvertrag eine Werkstattbindung vereinbart hätte.
    Das war tatsächlich der Fall, mit der Folge, dass ich den Scheibentausch in dieser Werkstatt, trotz Versicherung, zum größten Teil hätte selber zahlen müssen.
    Also habe ich mein Fahrzeug bei der Werkstatt abgeholt und mir einen Termin für den Scheibentausch bei "Carglas" gebucht, denn "Carglas" war von meiner Versicherung "zugelassen".
    Ca. eine Woche später war ich dann bei "Carglas", es dauert immer ein paar Tage bis zum Termin, da "Carglas" zunächst die passende Scheibe für den Einbau beschaffen muss.
    Der Servicetechniker hat sich den Schaden erst mal mit mir gemeinsam angesehen, und meinte dann, das wäre aber grenzwertig, evtl. sei der Steinschlag gar nicht im Sichtbereich.
    Er holte eine "Sichtbereich-Schablone", und siehe da, der Steinschlag lag mit ca. 5 mm Abstand klar außerhalb des Sichtbereichs (der Schablone).
    Er sagte, das komme immer wieder vor, da viele TÜV-Prüfer gar keine richtige Schablone hätten, sondern einfach ein DIN A4-Blatt als "Schablone" auflegen würden, das wäre aber zu ungenau...

    Wat nu??
    Möglichkeit 1: Scheibe tauschen gemäß TÜV-Mängelreport mit Kosten / Eigenanteil von 300,- €
    Möglichkeit 2: Nur den Steinschlag reparieren lassen und den TÜV davon überzeugen, dass das auch in Ordnung gewesen ist
    -> Keine Kosten, da die Kleinreparatur von der Versicherung übernommen wird
    -> Der Carglas-Mitarbeiter sagte, dass das ggf. Diskussionen mit dem "TÜV-Prüfer" geben könnte, da diese oft sehr von sich überzeugt wären...


    Ich habe mich für die Steinschlagreparatur entschieden.

    Es ist auch problemlos und gut ausgegangen, da die Nachprüfung durch einen Kollegen des ursprünglichen Prüfers vorgenommen wurde.
    Er fragte zunächst "Ist die Scheibe getauscht worden", ich verneinte das und erklärte ihm das mit dem Randbereich und der Steinschlagreparatur.
    Seine Sichtprüfung ergab dann "Ich kann gar nicht sehen, wo überhaupt repariert wurde, das ist so in Ordnung".


    Der springende Punkt / der Grund warum ich das überhaupt so ausführlich aufschreibe, ist folgender:
    Es scheint gängige Praxis bei Hauptuntersuchungen zu sein, zur Bestimmung des Sichtfelds ein DIN A4-Blatt als Schablone zu nutzen.
    Das haben mir mehrere Prüfer von der DEKRA und dem KÜS bestätigt, die ich privat kenne.
    Aussagen: "Das wird bei uns so gemacht", "Das wurde mir so beigebracht", "Das habe ich so gelernt".


    Im Gesetz / der Verwaltungsvorschrift ist die Sichtfensterbreite mit einem Abstand von 14,5 cm rechts und links zur Mittellinie festgelegt, und
    die Mittellinie bezieht sich auf "Mitte Lenkrad".

    2 x 14,5 cm ergibt 29 cm, ein DIN A4-Blatt ist aber 29,7 cm lang.
    Das heißt, die (DIN A4-) "Schablonen" sind 7 mm zu breit, und das zum Nachteil der Kunden.
    Dann wird das DIN A4-Blatt auch noch nach Augenmaß nach der Lenkradmitte ausgerichtet, was eine weitere Unsicherheit reinbringt.
    Ich habe im Nachgang mal selber versucht die Position des Steinschlags mit Bordmitteln zu vermessen.
    Also im Innenraum mit einer Wasserwaage die Lenkradmitte zur Scheibe "hochgezogen" und mit einem Stift markiert, und dann 14,5 cm zur Seite gemessen.
    Das Ergebnis war ebenso eindeutig, wie bei "Carglas" mit der Schablone: Der Steinschlag lag mehrere Millimeter neben meiner Markierung.


    Was lernt man daraus??
    - Ist schwierig, da fällt mir nicht viel zu ein, ein "TÜV-Prüfer" ist ja eine Art "hoheitliche Instanz", und was die feststellt "stimmt".
    Selbst, wenn die Diagnose so falsch ist, wie im beschriebenen Fall, wie will man dagegen vorgehen / sich erwehren?


    Vor einigen Jahren hatte ich übrigens einen ähnlich gelagerten Fall.
    Bei dem Fahrzeug wurde bei der Hauptuntersuchung festgestellt: Vordere Bremsscheibe - Verschleißgrenze erreicht... also "durchgefallen".
    Das Fahrzeug habe ich dann in die Werkstatt gebracht mit dem Auftrag "Bremsscheiben tauschen", um den Mangelpunkt zu beseitigen zu lassen.
    Stunden später rief mich der Werkstattleiter an und sagte, die Scheiben seien zwar nicht mehr neu, aber die Verschleißgrenze, lt. Herstellerangabe, sei
    noch lange nicht erreicht.
    Er sagte, er würde die Bremsscheiben jetzt noch nicht tauschen, das koste nur Geld und bringe für mich keinen Vorteil bzgl. Sicherheit.
    Ich sagte, das sei ein guter Hinweis, nur müsse ich wieder zum TÜV, um die getauschten Bremsscheiben vorzuzeigen.
    Die Werkstatt hatte aber einen eigenen Sachverständigen, der wöchentlich vorbeikam und Prüfungen vornahm.
    Dieser Prüfer hat meinen Mangel für 10,- € Nachprüfgebühr ohne Tausch der Bremsscheiben abgenommen und die Plakette geklebt.


    Auch hier wieder, man ist der "hoheitliche Instanz" des Prüfers "ausgeliefert"...
    Wobei, ich die regelmäßigen Überprüfungen durch "den TÜV" nicht grundsätzlich in Frage stellen möchte, sie sind richtig und wichtig finde ich!!

  • Clint Southwood

    Hat den Titel des Themas von „Steinschlag in der Schrontscheibe“ zu „Steinschlag in der Frontscheibe“ geändert.
  • :thumbup:

    "Im Rallye Sport wurde meine Vermutung bestätigt, dass ein Auto mit 2 angetriebenen Rädern nur eine Notlösung ist."(W. Röhrl)


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